Normen und Webdesign

Jeder technische Redakteur kämpft von Zeit zu Zeit mit Gesetzen, Normen und Vorschriften, die den rechtlichen Hintergrund für jedes Dokument bilden.

Aber wussten Sie schon, dass es auch Normen gibt, die ihre Anwendung im Bereich Webdesign finden?

Für SysKon besonders interessant, da wir neben unserem Kerngebiet, der Technischen Dokumentation, auch die Erstellung von Websites anbieten.

Die Norm ISO 9241 ist ein internationaler Standard, der Richtlinien der Mensch-Computer-Interaktion beschreibt. Die Normenreihe trägt seit 2006 den deutschen Titel Ergonomie der Mensch-System-Interaktion und löst damit den bisherigen Titel Ergonomische Anforderungen für Bürotätigkeiten mit Bildschirmgeräten ab, um die frühere Einschränkung auf Büroarbeit aufzulösen.
Die Normenreihe beschreibt Anforderungen an die Arbeitsumgebung, Hardware und Software. Ziel der Richtlinie ist es, gesundheitliche Schäden beim Arbeiten am Bildschirm zu vermeiden und dem Benutzer die Ausführung seiner Aufgaben zu erleichtern.
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Die Normenreihe ISO 9241 bestand zunächst aus insgesamt 17 Teilen. Zwischenzeitlich wurden weitere neue Teile hinzugefügt sowie Teile aus anderen Normen, die thematisch eher zur 9241 passen, in diese integriert.

Quelle Wikipedia

Dabei geht es nicht nur um generelle Konventionen und Regeln zur Gestaltung von Dialogen und interaktiven Benutzerschnittstellen – tatsächlich sind sogar die Begriffe Usability und User Experience genormt!

Usability

Die DIN ISO 9241-11 beschreibt Usability als das Ausmaß, in dem ein Produkt durch bestimmte Benutzer in einem bestimmten Anwendungskontext genutzt werden kann und definiert drei Leitkriterien:

  • Effektivität
  • Effizienz
  • Zufriedenstellung

Die Usability ist dabei vom jeweiligen Nutzungskontext abhängig (s. Nutzungskontext nach ISO 9241-11).

User Experience

Der Begriff User Experience wird in DIN ISO 9241-210 als

“Wahrnehmungen und Reaktionen einer Person, die aus der tatsächlichen und/oder der erwarteten Benutzung eines Produkts, eines Systems oder einer Dienstleistung resultieren (ISO 9241-210, 2010, S. 7).”

definiert. Das beinhaltet alle Effekte, die eine Bedienoberfläche vor, während und nach der Nutzung auf den User hat.

Ist Anwendung der Normen Pflicht?

Wenn Sie sich an dieser Stelle denken: “Diese Norm transportiert jetzt aber keine bahnbrechenden Erkenntnisse!”, haben Sie natürlich recht. Diese Definitionen sind kein Geheimnis und es drohen im Unterschied zur Technischen Dokumentation bei Missachtung auch keine rechtlichen Konsequenzen.

Es stellt sich trotzdem die Frage: Braucht es für ansprechende Websites tatsächlich Normen? Oder reicht dafür der gesunde Menschenverstand?

Sind Normen Pflicht?

Die Anwendung von DIN-Normen ist grundsätzlich freiwillig. Erst wenn Normen zum Inhalt von Verträgen werden oder wenn der Gesetzgeber ihre Einhaltung zwingend vorschreibt, werden Normen bindend. Zwar stellen sie im Fall einer möglichen Haftung keinen Freibrief dar. Aber wer DIN-Normen – als anerkannte Regeln der Technik – anwendet, kann ein korrektes Verhalten einfacher nachweisen.

Quelle din.de

Beim Webdesign gilt: Man muss diese Normen nicht anwenden, aber man sollte sie immer im Hinterkopf behalten. Denn was hilft das beste Design bei schlechter Benutzerfreundlichkeit und der daraus resultierenden Unzufriedenheit?

Eine einfache, intuitive und effiziente Bedienerführung ist nach wie vor einer der wichtigsten Bausteine einer guten Website und bestimmt nachhaltig das Nutzererlebnis, das bei der Interaktion entsteht. Überladene Menüs, Werbebanner, unnötige Gimmicks und irrelevanter Inhalt stellen den User nicht zufrieden, sondern fördern nur eins: Die Absprungrate – und damit den Klick zur Konkurrenz. Und das ist sicher das beste Argument für die Beachtung der ISO 9241!

 

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